locke89Der ZeitungsartikelBerlin, die Stadt der Armut. Im Süden Deutschland’s soll es Arbeit geben. Dafür sind hier die Mieten noch einigermaßen bezahlbar und wer was tun will, macht ein Praktikum.Der Mensch will was tun, ich will auch, deswegen habe ich morgen ein Vorstellungsgespräch für solch ein Praktikum. Vielleicht bekomme ich einen Fuß rein, in die Branche. Aber das ist morgen, bin halbwegs vorbereitet auf dieses Gespräch. Weiß was ich soll, weiß was ich will. Ich könnte auch was anderes tun. Jetzt, die Ruhe vor dem Sturm oder es ist Nervosität, die mich einen Bonbon nach dem anderen essen lässt. Das Rauchen hab ich aufgegeben. Sitze in einem Cafe, man kann da ganz gut Zeitung lesen. Das ist eine gute Idee um mich, von dem Zukunftsbringenden Gespräch abzulenken. Es gibt kein Entrinnen. Ein Seiten füllender Artikel über Praktikas, ihren Sinn, ihren Wert. Es fehlt nicht nur die Qualität der Betreuung, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen. Du kannst Praktikas machen wie du willst, du wirst keinen Schritt tun der dich vorwärts bringt. Das hört sich ja alles nicht so toll an, mein Motivationspotential beginnt zu schwinden. Ich gönne mir ein Bier mit der Option, am nächsten Tag, den Termin trotzdem wahrzunehmen. Der nächste Tag beginnt und bald zeigt die Uhr den Zeitpunkt an, der die Weichen stellen soll. Ich bin pünktlich. Freundlich werde ich empfangen. Es entwickelt sich auch ein Gespräch, das lässt mich nicht mehr sicher sein, soll ich was ich will, will ich was ich soll? Mein Gegenüber ist recht unverblümt. Herausforderungen, die mich im Beruf aufgehen lassen, habe ich nicht wirklich zu erwarten. Ich werde sowieso nicht lange Anteil nehmen, am betrieblichen Geschehen. Mir fällt der Artikel aus der Zeitung, vom vergangenen Abend wieder ein. Also bin ich freundlich und bestimmt und bald sind wir uns einig, daß jeder seine eigenen Wege geht. Nur meine Freundin ist am Abend dann brüskiert. Sie sieht, ich will mich nicht engagieren, nicht integrieren, nicht wichtig sein, als Mitglied einer führenden Nation. Ich erkläre ihr, mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da und berufe mich auf die Schrift, die mir am Abend vorher ein Zeichen gab. Wer sollte das System so determinieren, welche Lobby sollte da denn hinter steh’n? Die Zeitung gibt es auch in meiner Freundin Haus. Ungläubig sucht sie den Artikel raus. Und da steht man solle sich nicht lang genieren und ein Praktikum anvisieren. Es gäbe sowieso keine andere Gelegenheit den Tätigkeitsdrang zu befriedigen, ohne viel zu investieren. Was sie da liest, kann ich nicht glauben. Es ist jedoch das gleiche Blatt. Welcher Gott hat mich denn da beschissen? Oder hat er mich beschützt? Ich werde eigene Wege geh’n. Bewerte diesen Text |