locke89Der Boxkampf„Und du bist dir ganz sicher, daß du dich im Zweikampf stellen willst?“Obwohl der Boxtrainer keine Antwort erhielt wußte er, daß er nicht die Wand anredete. Eine Weile ging er schweigend neben seinem Schützling her, passte sich seinem Schritt an, in dem er seinen verkürzte und betrachtete ihn, unsicher aus dem Blickwinkel. Große Hoffnungen macht er sich nicht, der Neuzugang war eine Frau, mädchenhaft zierlich, mädchenhaft ängstlich. Als er sie in Empfang nahm zog sie misstrauisch ihren Kopf zwischen die Schulter. „ Du stehst heute das erste mal im Ring?“ unterbrach er den Hall der Schritte. „Ja“ gab sie tonlos, ohne jede weitere Reaktion von sich. Ohne die Antwortet, hätte er geschworen, daß sie ihn überhaupt nicht wahrgenommen hat. „Du kannst das langsam angehen. Erst mal aufwärmen und locker machen.“ Der Trainer bemerkte, daß er jetzt doch gegen eine Wand sprach. Seine Worte verlangten ihm Kräfte ab, als stünde er mindestens in der dritten Runde eines professionellen Zweikampfes. Er war sich nicht sicher, ob er sie als einen Gegner betrachten sollte. Aber Alte Schule, man schlägt keine Frauen. Endlich hatten sie die Tür zu einem kleinen Raum erreicht. Enthusiastisch begrüßte er die Sportler, die sich schon im Raum befanden. Still setzte sich das Mädchen auf eine Bank die an der Seite des Raumes stand. Sie tauschte ihre Straßenschuhe mit den Sportschuhen. Argwöhnisch betrachtete sie dabei den Raum des Geschehens. Ein Ort des Verderbens, daß sagten ihr ihre Sinne schon beim betreten des Raumes. Der Raum war nicht größer als ein Wohnzimmer, selbst für einen Partykeller zu klein und ohne ein Fenster, die Beleuchtung notdürftig. Dieses Ambiente hätte es nicht zugelassen, hier ein Buch zu lesen. Zwei Seitenwände waren mit Dicken Stoffvorhängen abgehängt und der Boden mit Judomatten ausgelegt. Die Stimmen der anderen hörten sich an, als sprächen sie durch einen Filter. Sie konnte keinerlei Lüftungseinrichtungen entdecken. Die schweißbeladene Luft nahm ihr den Atem sie vermutete, daß es draußen niemand mitbekommen würde wenn hier jemand zusammen geschlagen nach Gnade schreien würde. Sie waren hart im nehmen. Sie mussten hart im nehmen sein, wie sonst konnten sie lächelnd schwatzend und locker umherspringen, in diesem Loch, dessen Mief man auf der Haut hatte noch bevor sich die Augen an das Licht gewöhnt hatten. Sie würden nicht Schreien wenn der Schmerz einen Treffer auf ihrem Körper versenkte. Sie auch nicht, dessen war sie sich sicher aber nicht, wie lange sie es an diesem Ort aushalten würde. Der Trainer rief seine Leute zusammen. Mit diszipliniertem Willen stellten sie sich in Reihe auf. Sie stellte sich an das näher liegende Ende der Reihe und ließ die neugierigen, argwöhnischen, belustigten Blicke über sich ergehen, die auf ihr ruhten als der Trainer ihre Anwesenheit kommentierte. Was war nur so lustig, wenn ein Mädchen sich prügeln wollte? Ihr fiel wieder ein, daß sie freiwillig hier war. Irgendwann würden sie aufhören zu lachen. Erst einmal war sie es, der der letzte Schein ihres Lächelns entschwand. Irgendwo in ihr gab es das noch, das wusste sie. Im Kreis ließ der Trainer seine Garde, die Wände entlang laufen. Der Kampf hatte noch nicht begonnen. Außer Atem stand sie dann einem der Sportler gegenüber und übte einen technisch gelungenen Schlag zu erzielen. Der Trainer hatte sie genau im Auge. Sie war nicht schnell genug, sie schlug ohne Kraft. Sie war nicht wütend, ohne jede Aggressionen. Wieso sie hier wäre wollte der Trainer von ihr wissen. Ihre Freunde vielen ihr ein, die sie geärgert hatten, daß sie ein Mädchen war und sowieso nicht wirklich zu schlagen konnte. Der Trainer wartete auf eine Antwort. Es kam kein Ton über ihre Lippen. Nur eine kleine Träne konnte er ihrem linken Auge entlocken. „Du bist hier, um Schläge auszuteilen, nicht um welche einzustecken.“ Wieder war der Trainer unsicher, fühlte seine Zweifel bestätigt, daß Mädchen nicht für den Zweikampf geeignet seien. Von ihr kam keine Antwort. Still stand sie da und er sah mit an wie sie die Träne über ihr Gesicht laufen ließ. Er trat näher an sie heran, unsicher wie beim Empfang des Mädchens. Er hätte ihr gerne gesagt, daß sie nicht kämpfen muß aber die Regeln verboten ihm dies. Mit einer ungeschickten väterlichen Handbewegung versuchte er ihr die Träne wegzuwischen. Ein wenig taumelnd nahm er sofort wieder Abstand von ihr. Sie war schnell genug, hatte unerwartete Kraft und gut gezielt, als sie ihre Faust in der Augenhöhle des Trainers platziert hatte. Sie lebte. Bewerte diesen Text |